Abb. 4 Die Anfahrgeschwindigkeit zum Zwischensprint liegt bei über 60km/h, als Philipsen kopfüber den Lenker stürzt und meterweit auf dem Rücken rutscht, nebenbei beachtlich mit welcher Artistik sich die anderen Beteiligten noch so gerade auf dem Rad halten können [13]
Abb. 5 Philipsen mit total zerfetztem Trikot, komplett zerschundenem Rücken und Claviculafraktur, völlig verzweifelt und von Schmerzen geplagt, mit angelegter Halskrause [14]

Anstatt aus dem schockierenden Vorfall am Zwischensprint Konsequenzen zu ziehen und etwas defensiver, sowie respektvoller miteinander umzugehen, rappelt es 3km vor dem Ziel und auf der Zielgerade erneut heftig, mit entsprechender Erweiterung des Tour Lazarettes. Gnadenlos wird der Erfolgsdruck, der Kampf um Arbeitsverträge und Sponsorengelder in all seiner abstoßenden Abartigkeit auf dem Asphalt ausgelebt.

Abb. 6 Jordi Meeus, der Sprintkapitän von RBH, verletzt am Boden nach den erneuten massiven Positionskämpfen im Etappenfinale [17]
Abb. 7 Auf der Zielgraden dann der finale Highspeedsturz in die Bande und Zuschauerränge [17]

Im antiken Rom benötigte man noch Raubtiere und Stichwaffen für ein blutiges Spektakel zur Unterhaltung des Pöbels im Circus Maximus, die Erfindung des Zweirads macht die Landstraße zum mobilen modernen Amphitheater, die TV Bilder liefern das Massaker dem gaffenden Publikum dann frei Haus. Werbung für den Radsport ist das sicher nicht, dem Sportpuristen fällt es schwer nach drei Etappen dem Theater weiter beizuwohnen. Die UCI verteilt zwar fleißig und berechtigt gelbe Karten, aber das scheint im Peloton wirkungslos zu verpuffen [18]. Auf der 4. Etappe liefern die GC Anwärter Pogacar und Vingegaard den ultimativen Beweis, dass der Leistungsentwicklung nach oben irgendwie keine Grenzen gesetzt scheinen. Die Attacke der beiden an der bis zu 15% steilen Rampe Saint-Hilaire, quittiert Vingegaard mit der besten 1min Leistung die er jemals erbracht hat [19]. Atemberaubend zudem, mit welcher Geschwindigkeit die beiden Überflieger die Rampe hochstürmen.

Abb. 8 15% Anstieg mit >25km/h, ohne Worte! [20]

Pechvogel RBH Teamkapitän Roglic sorgt zudem erneut für eine Kuriosität, weil er Stürze wie ein Magnet anzieht und dadurch einen technischen Defekt am Antrieb auslöst, beendet er die Etappe im steilen Schlussanstieg auf dem großen Kettenblatt mit einem immensen Kraftaufwand. Normalerweise hätte er dort zu Fuß hochlaufen müssen, weil ein solcher Kraftakt eigentlich kaum realisierbar ist. Vor dieser außergewöhnlichen Leistung des alten Haudegens muss man allerdings den Hut ziehen [21]. Evenepoels offenkundige Probleme bei der fachgerechten Mülltrennung kosten diesen 500 Franken Strafe und 25 Weltranglistenpunkte [22].

Von Smirs1

Studium der Chemie u. Sportwissenschaft; 30 Jahre Berufserfahrung in der klinischen Forschung, Medizinproduktezulassung, Fitnessindustrie u. Betreuung von Weltklasseathleten; ehem. Diplomand am Institut f. Biochemie u. Dopinganlytik d. DSHS Köln; investigativer Journalist in Mainstream u. alternativen Medien mit zahlreichen fachspezifischen Publikationen; passionierter Radsportler, seit 40 Jahren im Rennsattel unterwegs; Erfinder und Patentinhaber

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